Kritik

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Rezension von Anna-Lena Haget

Thomas Greuel - Totenkopfring

Dieses Buch ist nachtschwarz. Sowohl von außen als auch von innen. Schon der auf dem Cover vom Künstler selbst in Szene gesetzte Totenkopfring lässt den Leser erahnen, welch köstliche Scheußlichkeiten ihn im Inneren dieses Werkes erwarten. Achtzehn Kabinettstückchen aus der Feder eines morbiden Genies, die an die Wortgewalt eines Franz Kafka erinnern und Edgar Allen Poe blass aussehen ließen, würde er noch unter den Lebenden weilen! Der Autor spielt geradezu virtuos mit Tod und Verderben, deckt sämtliche Abgründe der menschlichen Seele auf und zeichnet dabei ein absolut nüchternes, aber trotzdem dramatisches Bild der Realität. Oft wird der Leser durch die Brutalität und Schonungslosigkeit des Erzählstils schockiert, den Greuel das ganze Buch hindurch kontinuierlich verfolgt, während er die kleinen, persönlichen Tragödien seiner unterschiedlichen Protagonisten (häufig aus deren Sichtweise) erzählt. Da geht es beispielsweise um einen Mann, der sich zwanghaft selbst verstümmelt, einen Jungen der sich in der Schule so unauffällig benimmt, dass es irgendwann jedem auffällt, den Teufel, der eine schäbige Kneipe heimsucht oder einen Attentäter, der Säure auf einen Bottichelli spritzt um der Welt damit einen Gefallen zu tun. Selbst ein Gedicht, welches zartbesaitete Leser am Anfang noch als moderne Liebesprosa, quasi ein „Licht am Ende des Tunnels“ in dieser herrlich trostlosen Sammlung voller alltäglicher Grausamkeiten ansehen, entpuppt sich schlussendlich als mörderischer Schelmenstreich Thomas Greuels!

Der Autor lässt die Figuren während seiner Erzählungen von gescheiterten Existenzen und Perversionen oft dermaßen überzeugend reden und handeln, dass man sich als Leser manchmal ernsthaft fragt, was um Himmels Willen dem Mann in seinem Leben so sehr die Petersilie verhagelt haben könnte, dass er irgendwann beschlossen hat, die ganze Welt als einen dunklen und verabscheuungswürdigen Flecken im Universum anzusehen! Herr Greuel legt in seinem Werk allerdings auch einige Köder zu sich selbst aus: Hier eine kurze Notiz auf Seite 2, da ein Hinweis auf die von ihm bevorzugt gehörte Musik und dort ein Ausriss aus einem Wörterbuch, der sich mit seinem (est nomen omen?) Nachnamen beschäftigt. Ganz zu schweigen von den künstlerischen Polaroids, die diesen Mann und sein Wirken in ein geheimnisumwittertes Licht tauchen. Dabei scheint es, als wolle er, dass man ihm auf die Schliche kommt und hinter sein wohlgehütetes, dunkles Geheimnis. Alles in allem mutet dies wie der verzweifelte Hilfeschrei einer rabenschwarzen Seele an, für die es keine Rettung und Erlösung mehr geben kann, weil sie sich dabei selbst im Weg steht und damit ebenso hilflos ist, wie die Protagonisten seiner kurzen Geschichten! Manche Menschen werden sich vielleicht wundern, dass jemand der scheinbar so negativ gestimmt ist, überhaupt bei uns am BWV unschuldigen Kindern englische Vokabeln beibringen oder sie die deutsche Grammatik lehren darf! Doch genau dieser Widerspruch zwischen Dichtung und Wahrheit macht den Autoren von „Totenkopfring“ so interessant: Er ist trotz der teilweise psychopathischen Ausführungen in seinem Buch eigentlich ein ganz sympathischer, von ironischem Wortwitz getriebener Mensch und beinahe sogar handzahm, wenn man ihn mal näher kennt.

Das Buch ist beim „Books on Demand“-Verlag erschienen.

Anna-Lena Haget









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